Ein Milliarden-Vermögen zu erben, mag noch immer der einfachste Weg sein, in die Reihen der Reichsten der Welt aufgenommen zu werden. Es ist aber ganz sicher nicht der Normalfall.
Fast zwei Drittel der 946 Milliardäre der Welt haben ihr Vermögen ganz von vorne aufgebaut, und zwar dank ihres Mutes und ihrer Entschlossenheit, nicht dank ihrer guten Abstammung.
Fünfzig dieser Selfmade-Tycoons verließen vorzeitig die Schule oder brachen ihr Studium ab. Der bekannteste Milliardär-Abbrecher ist Bill Gates von Microsoft, der im Juni endlich das Ehrendiplom der Harvard University erhielt, ganze 30 Jahre, nachdem er die angesehene Universität verließ, um Software zu verkaufen. “Von all den Versagern hab ich es am weitesten gebracht”, witzelte der reichste Mann der Welt in seiner offiziellen Dankesrede. Wer braucht den Erfolg, wenn der Misserfolg so erfolgreich sein kann?
Andere Milliardäre wie z.B. die Medienexpertin Oprah Winfrey haben ihr Glück trotz viel schlechterer Chancen gemacht. Sie wurde auf dem Land in Mississippi geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit in ärmlichen Verhältnissen auf der Farm ihrer Großmutter. Um diesem Elend zu entkommen, zog sie nach Wisconsin zu ihrer Mutter, wurde jedoch von ihren männlichen Verwandten unsittlich belästigt. Im Alter von 14 Jahren soll sie ein vorzeitig geborenes Kind zur Welt gebracht haben, das allerdings starb. Ihr Glück wandte sich erst, als sie zu ihrem Vater nach Nashville zog. Um die Selfmade-Milliardäre der Welt gebührend zu ehren, erzählen wir Ihnen zehn unserer beliebtesten “Vom Tellerwäscher zum Milliardär”-Geschichten.
Die Geschichten dieser Milliardäre, die sich aus eigener Kraft hochgearbeitet haben, sind genauso verschieden wie die zehn Menschen selbst. Sie sind zwischen 40 und 91 Jahre alt, kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen wie Modewelt und Ölwirtschaft und wohnen in fünf verschiedenen Ländern. Roman Abramowich, der reichste Mann Russlands, war Waise. Steve Jobs, der bei Apple zur Kultfigur geworden ist, wurde adoptiert. Jobs brach sein Studium am Reed College ab, als er die Studiengebühren nicht mehr aufbringen konnte. Sein heutiges Nettovermögen würde reichen, um fast 40.000 Studenten ein vierjähriges Studium am Reed College zu finanzieren. Drei weitere Milliardäre, u.a. Ralph Lauren, waren auch Studienabbrecher.
Fünf weitere Milliardäre verließen vorzeitig die Schule und zeigten, dass man mit Köpfchen oft weiter kommt als mit herkömmlicher Schulbildung. Der britische Zeitungsmagnat Richard Desmond verließ z.B. die Schule, als er merkte, dass er als Garderobier in einem Club mehr Geld verdienen konnte. Mit 16 Jahren lieh er sich den Anzug seines älteren Bruders, um eine Stelle als Verkäufer zu finden. Auch heute noch ist er im Verkauf tätig und bringt Musik-, Porno- und Prominentenmagazine wie OK! an den Mann.
Li Ka-shing, der reichste Mann Asiens, verließ nach dem Tod seines Vaters mit 15 Jahren die Schule, um in einer Fabrik zu arbeiten. Kirk Kerkorian verließ die Schule in der achten Klasse, um Boxer zu werden. Während des Zweiten Weltkrieges flog er als Pilot draufgängerische Einsätze nach Europa und gründete schließlich seine eigene Fluggesellschaft, deren Profite er in Las Vegas anlegte.
Die “Stadt der Sünde” war auch Sheldon Adelson gnädig. Der Sohn eines Bostoner Taxifahrers lieh sich im Alter von zwölf Jahren 149 Euro, um Zeitungen zu verkaufen. In späteren Jahren verdingte er sich als Hypothekenmakler, Anlageberater und Finanzberater. Der Schulaussteiger und Broadway-Fan studierte als Teenager Gesang, folgte aber schließlich dem Ruf einer ganz anderen Bühne – der Messebühne -, auf der er sein erstes großes Geld verdiente.
Adelson spekulierte dann später mit Kasinos in Las Vegas, Macau und Singapur und ging mit seiner Gesellschaft Las Vegas Sands im Dezember 2004 an die New Yorker Börse. Originalton Adelson: “Ich fand es toll, der Außenseiter zu sein.”
Glück und Timing spielen auch eine Rolle beim Aufbau eines Riesenvermögens ganz von vorne. James Cayne zog z.B. nach New York, um professionell Bridge zu spielen. Dort wurde er von der Wallstreet-Legende Alan “Ace” Greenberg entdeckt, der von Caynes Kartenspiel so beeindruckt war, dass er ihn in seiner Firma Bear Stearns als Effektenhändler einstellte. Heute ist Cayne Aufsichtsratsvorsitzender.
J.K. Rowling, die reichste Romanautorin der Welt, zog ihre kleine Tochter als Sozialhilfeempfängerin auf, als ihr Agent sie anrief, um ihr zu sagen, dass Bloomsbury ihr Buch über den jugendlichen Zauberer Harry Potter veröffentlichen wollten. Eines ist jedenfalls klar: An Chuzpe mangelt es unseren Milliardären, die sich vom Tellerwäscher hochgearbeitet haben, jedenfalls nicht.
Quelle: Die Zeit Online
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